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SENSATIONELLE ENTDECKUNG DURCH MARKUS PICHL

Fund einer 84 Jahre lang unbekannten Memel-Marke im ganzen Bogen

Memel 1920, Urmarke Deutsches Reich MiNr. A 113 mit Aufdruck "Memelgebiet" im kpl. Bogen
(siehe auch Bericht in der Fachzeitschrift "Philatelie" Ausgabe August 2004)

Zum Vergrößern Bild anklicken.

Im Rahmen einer Dienstleistungstätigkeit beim Auktionshaus Ulrich Felzmann in Düsseldorf, ist mir, Markus Pichl, im April 2004 ein sensationeller, philatelistischer Fund gelungen. Innerhalb einer von mir zu bearbeitenden Auktionseinlieferung entdeckte ich eine Briefmarke, welche der Fachwelt 84 Jahre lang verborgen blieb!

Für viele Philatelisten stellt ein besonderer Reiz beim Briefmarkensammeln das Entdecken von besonderen Briefmarken dar. Dieses Bedürfnis kann sowohl mittels dem Fund einer wertvollen als auch mit dem Fund einer Briefmarke, die sich mittels eines Plattenfehlers oder einer sonstigen Abart von einer gewöhnlichen Briefmarke selbiger Ausgabe unterscheidet, befriedigt werden. Der Wunsch eine "Blaue Mauritius" zu entdecken, ist sicherlich der urgeheimste und auch unter Laien der bekannteste Wunsch eines Briefmarkensammlers, aber nur wenigen Sammlern bleibt es gegönnt, eine bedeutende Entdeckung in der Welt der Philatelie zu machen.

Sieht man von der bisher nur einmal vorgelegenen Britisch Guyana 1 C. schwarz a. karmin aus 1856 ab, so handelt es sich bei den anderen in der Philatelie als "Unikat" bezeichneten Briefmarken um Einzelstücke, die sich "lediglich" in ihrer Eigenschaft oder in Einheit besonderer Größe oder in ihrer Verwendung von den sonst bekannten Exemplaren ihrer Ausgabe unterscheiden.

Mein Sensationsfund stellt somit alles auf den Kopf, bzw. lässt die Fachwelt vor Erstaunen mit den Köpfen schütteln. Eine deutsche Briefmarke zu entdecken, die so lange Zeit - 84 Jahre - der Fachwelt verborgen blieb. Das ist im philatelistischen Sinne mehr als sich ein Philatelist erträumen darf, es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl.

Wie kam es zu diesem großartigen, philatelistischen Fund meinerseits im Auktionshaus Ulrich Felzmann in Düsseldorf?

Im März 2004 unternahmen Herr Felzmann und ich eine Reise zu einem Briefmarkensammler, der seine umfangreichen Briefmarkenbestände gerne zur Auktion übergeben wollte. Wir beide waren von der Urigkeit und auch der Gesamtmenge der zur Verfügung stehenden Briefmarken begeistert und nahmen, nach entsprechender fachlicher Beratung, den immensen Briefmarkenbestand des Sammlers als Einlieferung entgegen.

Am Folgetag machte ich mich im Auktionshaus Felzmann an die Bearbeitung der Einlieferung. Insgesamt waren rund 11.000 alte Belege sowie gut 100 Alben und Einsteckbücher zu sichten, bzw. für die Auktion aufzubereiten. Neben vorhandenen und teils bereits attestierten, hochkarätigen Einzelstücken, versprühte dieser Sammlerbestand eine besondere Ausstrahlung, ich "schnupperte" es förmlich, dass dieses mal sicherlich wieder etwas Besonderes zu finden sei. Das es allerdings ein solcher Volltreffer werden würde, hatte ich nicht erahnen können.

Bei der Ermittlung des Katalogwertes für eine Bogen- und Teilbogenansammlung verschiedener Ausgaben des Memelgebietes war es dann soweit. Die Entdeckung des Bogens der Urmarke Deutsches Reich MiNr. A 113 mit Aufdruck "Memelgebiet".

Wie konnte ich den Bogen als solchen erkennen?

Neben einer Portion Glück gehört auch eine ganze Menge Fachwissen dazu. Als guter Philatelist muß man auch die grundlegenden Unterschiede der Druckarten sowie die herstellungsspezifischen Eigenheiten der verschiedenen Ausgaben kennen.

Die ansonsten unter MiNr. 9 im Michel-Katalog aufgeführte Memel-Aufdruck-Briefmarke in der Wertstufe zu 1 Mark ist als Urmarke die Deutsches Reich MiNr. 94 B II, hergestellt im Stichtiefdruck, die Abbildung des Reichpostamt Berlin ohne Flaggen auf den Flügeltürmen und nur im 20er-Bogen aufgelegt. Aber der bei der Bearbeitung vorgelegene Bogen erkannte ich als die Urmarke Deutsches Reich MiNr. A113, hergestellt im Offsetdruck, die Abbildung des Reichpostamt Berlin mit Flaggen auf den Flügeltürmen und im 50er-Bogen aufgelegt. Da im Michel-Spezial-Katalog keinerlei Hinweis auf eine mit dem Wort "Memelgebiet" bedruckte Urmarke DR MiNr. A 113 zu finden war, überlegte ich was das nun sein könnte was vor mir lag. Ein Probedruck, eine Fälschung oder eine bisher nicht katalogisierte Briefmarke?

Nun war Spezialistenarbeit gefragt und ich machte mich ans Werk, den Bogen näher zu untersuchen und ging wie folgt vor:

  • Aufdruckvergleich: der einzeilige Aufdruck "Memelgebiet" ist im Buchdruck (Hochdruckverfahren) auf die Marken aufgedruckt, Buchdruckaufdrucke schlagen leicht auf die Markenrückseite durch. Dagegen falsche und meist im billigeren Offsetdruckverfahren (Flachdruckverfahren) nur auf der Markenoberfläche aufliegen. Der Aufdruck selbst ist bei allen Marken der Ausgabe Memelgebiet MiNr. 9-17 der selbe, also folgte mittels Vergleichsstücken höherer Werte das Nachmessen der Aufdrucklänge und der Vergleich von verschiedenen Aufdruckmerkmalen wie z.B. der herzförmige anmutende i-Punkt, also beurteilte ich den Aufdruck als ECHT.
  • Kontrolle der Urmarke MiNr. A 113: der Bogen hat Wasserzeichen 1, die Bogenfelder 12, 26 und 35 die entsprechend katalogisierten Plattenfehler, also beurteilte ich den Bogen als ECHT.
  • Nun grübelte ich weiterhin, wie man zusätzlich eine Fälschung ausschließen könne und kam auf die alles entscheidende Idee, die Aufdruck-Hausauftragsnummer abzugleichen, welche im Michel-Spezial-Katalog aufgeführt sind. Als ich dann sah, dass es sich um die gleiche Aufdruck-Hausauftragsnummer "H 4075.20" handelte wie bei der katalogisierten 1 Mark-Wertstufe, da wurde mir zugleich heiß und kalt. Hierzu muß man wissen, das eine Hausauftragsnummer immer nur 1x pro Auflage verteilt wurde. Wurde eine Marke mehrfach aufgelegt, so wie z.B. im Deutschen Reich die 10 Pfg-Germaniamarke, so wurde jedes mal eine neue Hausauftragsnummer vergeben.
  • Dann teilte ich Herrn Felzmann den Fund mit und der Bogen ging ab zur Prüfung an Herrn Prof. Dr. Klein BPP, welcher nach ausführlicher Recherche die Echtheit und die Seltenheit per Fotoattest bestätigte.

Nachfolgend einige weitere Erläuterungen zu dieser Marke:

Die von mir gefundene Urmarke Deutsches Reich MiNr. A 113 mit Buchdruck-Aufdruck "Memelgebiet" muß, gemäß der Erklärung im Attest von Herrn Prof. Dr. Klein, die als zuerst vorgesehene 1 Mark-Wertstufe für das Memelgebiet gewesen sein, bevor man feststellte, das die vorhandene Menge dieser Marke nicht für die vorgesehene Auflage von 151.760 Stück ausreichen würde. Hierfür steht die erstbenutzte, leicht glänzende Aufdruckfarbe als Beweis (die zweitbenutzte Aufdruckfarbe ist matt).

Das es sich bei diesem Bogen um einen Probedruck handelt, ist gemäß der aufgedruckten Hausauftragsnummer und der Tatsache, dass es von keiner Briefmarkenausgabe des Memelgebietes Probedrucke gibt, ausgeschlossen.

Das es sich um einen Probeandruck des erstmalig verwendeten 50er-Aufdruck-Klischée für eine der höheren Wertstufen ab 1,25 Mk handelt, ist ebenfalls ausgeschlossen, da hier wiederum die verwendete Hausauftragsnummer im Gegenspruch steht.

Das es sich um eine nicht verausgabte Briefmarke handelt (so wie z.B. zahlreich von Allenstein bekannt), ist ebenfalls ausgeschlossen, da dann nicht die gleiche Hausauftragsnummer wie für den 20er-Aufdruck-Klischée der nachfolgend bedruckten Urmarke DR MiNr.94 B II verwendet worden wäre.

Wie viele Bogen der Urmarke DR MiNr. A 113 mit diesem Aufdruck bedruckt wurden, ist heute nicht mehr feststellbar. Auch die in rechts oberer Bogenecke handschriftlich angebrachte und für einen Schalterbogen typische Zählnummer "3", kann letztendlich keinen endgültigen Aufschluss darüber geben, ob der Bogen tatsächlich am Schalter gelegen hat oder ob es mindestens drei oder gar mehr Bogen von dieser Ausgabe gegeben hat. Ein Schalterverkauf wird wohl erst durch einen Fund dieser Marke auf befördertem Beleg endgültig bewiesen werden können. Also, machen wir uns auf die Suche!

Fakt ist, dass der Bogen selbst und auch der Aufdruck eindeutig ECHT ist. Das wichtigste Kriterium am ganzen ist die Aufdruck-Hausauftragsnummer "H 4075.20".

Zur Freude des Einlieferers erbrachte der Bogen am 30. September 2004 im Rahmen der 108. Ulrich Felzmann-Auktion einen stolzen Zuschlagspreis von Euro 29.000.- (der Ausruf war Euro 8.000.-)

Nachstehend abgebildet die Kopie des Fotoattest von Prof. Dr. Klein mit Gratulation von Herrn Felzmann.

Wiesbaden, 02. Januar 2005
Markus Pichl

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